Produktion in der Medizintechnik

Medizintechnik · Anwendungsfall

Produktdaten und UDI: ein Bestand, der der Regulierung standhält

Artikeldaten müssen Kennzeichnung, UDI-Bezug und Sprachfassungen mittragen und gleichzeitig Shop, Katalog, Datenblatt und Kundenportal bedienen. Aus einem führenden Bestand, nicht aus fünf Excel-Dateien.

Ausgangslage

Dieselben Daten an fünf Stellen, und jede ist ein bisschen anders

In Tuttlingen und Umgebung sitzt die höchste Dichte an Medizintechnikherstellern weltweit. Wir arbeiten seit Jahren für Hersteller aus dieser Region und kennen das Muster: Der Artikelstamm liegt im ERP. Die Produktbeschreibung lebt im Katalog-Layout. Die Übersetzungen hat eine Agentur in Word. Das Datenblatt pflegt die Technik, die Shop-Texte das Marketing, und die UDI-Daten stehen in einer Tabelle, die für die EUDAMED-Meldung gebaut wurde.

Solange nichts passiert, funktioniert das. Sobald sich eine Zweckbestimmung ändert, ein Produkt eine neue Sprachfassung braucht oder ein OEM-Kunde eigene Dokumente verlangt, beginnt die Suche: Welche Fassung ist die richtige? Wer hat sie freigegeben? Und warum steht im Shop noch der alte Warnhinweis?

Das sind keine IT-Fragen. Aber sie entscheiden darüber, ob ein System im Audit hilft oder zur Last wird.

Lösungsweg

Ein führender Bestand mit regulatorischer Spur

Führendes System festlegen

Für jedes Feld wird entschieden, wer die Wahrheit besitzt: ERP für Stammdaten und Preise, Produktdatensystem für Beschreibungen, Medien, Klassifikationen und Sprachfassungen. Diese Entscheidung fällt vor der ersten Zeile Code.

Regulatorische Felder markieren

UDI-DI, Zweckbestimmung, Warnhinweise, Klassifizierung und Kennzeichnungstexte sind als regulatorisch relevant gekennzeichnet. Sie werden von jeder automatischen Verarbeitung ausgenommen und nur über den Freigabeweg geändert.

Freigabe mit Versionen

Jede Änderung an einem markierten Feld durchläuft Entwurf, Prüfung, Freigabe. Wer wann welche Fassung freigegeben hat, ist belegbar. Alte Fassungen bleiben abrufbar, auch für Produkte, die nicht mehr im Sortiment sind.

Sprachfassungen nachziehen

Übersetzungen entstehen aus dem führenden Bestand und werden bei Änderungen nachgezogen. Fachbegriffe kommen aus einer gepflegten Terminologieliste. KI darf Vorschläge machen, die Freigabe bleibt beim Menschen.

Ausspielung in alle Kanäle

Shop, Printkatalog, Datenblatt, Händlerportal und OEM-Kundenportal beziehen ihre Daten aus demselben Bestand. Was der Kunde sieht, steuert das führende System, nicht eine Kopie.

Rückverfolgbarkeit als Denkweise

Nicht als nachträgliche Protokollierung, sondern als Frage vor dem ersten Feld: Was muss später nachvollziehbar sein? Das fließt in jedes Datenmodell ein, das wir für Medizintechnik bauen.

Ablauf

So gehen wir ein Produktdatenprojekt an

  1. Erstgespräch, kostenfrei. Welche Systeme und Dateien tragen heute Produktdaten, wo entstehen Widersprüche, was verlangt die Regulierung konkret.
  2. Datenlandkarte. Alle Quellen, alle Felder, alle Kanäle auf einer Seite. Daraus folgt, welches System für welches Feld führend wird.
  3. Datenmodell und Freigabeweg. Regulatorische Felder, Versionierung, Rollen. Abgestimmt mit QM und Regulatory Affairs, nicht an ihnen vorbei.
  4. Anbindung und Migration. ERP-Schnittstelle, Übernahme der Bestände mit Bereinigung, Testlauf gegen echte Daten.
  5. Kanäle anschließen. Shop, Katalog, Datenblätter, Portale. Livegang mit Parallelbetrieb, dann Übergabe und Betreuung.

Was KI darf und was nicht

Eine klare Grenze, im System verankert

KI ist in diesem Umfeld nützlich für Formulierungsvorschläge, Übersetzungsentwürfe, das Auslesen von Lieferantendokumenten und die Suche über große Bestände. Sie fasst keine technischen oder regulatorischen Werte an. Diese Grenze steht nicht in einer Arbeitsanweisung, sondern im Datenmodell: Markierte Felder sind für automatische Verarbeitung gesperrt.

Das ist der Unterschied zwischen einem System, das im Audit hilft, und einem, das dort erklärt werden muss.

Passende Lösungen

Damit arbeiten wir

Dieser Anwendungsfall verbindet Produktdaten und Katalog, ERP-Schnittstellen und Shopware für B2B. Hintergrund zur Branche: Medizintechnik. Warum Wissen in der Region nachvollziehbar bleiben muss, steht im Beitrag Wissenstransfer im Mittelstand.

Häufige Fragen

Was Hersteller dazu fragen

Ersetzt das System unser QM-System?
Nein. Das Produktdatensystem führt die Artikel- und Produktdaten und dokumentiert Freigaben. Das QM-System bleibt für Verfahren, Audits und CAPA zuständig. Beide werden verknüpft, nicht vermischt.
Welche Systeme binden Sie an?
ERP wie Majesty, SAP oder SelectLine als Quelle für Stammdaten und Preise, Shopsysteme wie Shopware, Katalog- und Datenblattgeneratoren sowie Kundenportale für OEM-Kunden. Auch Datenexporte für Händler und Marktplätze.
Darf KI Produkttexte für Medizinprodukte schreiben?
KI darf Formulierungen vorschlagen, zum Beispiel Beschreibungen oder Übersetzungen. Technische und regulatorische Werte wie UDI, Zweckbestimmung oder Warnhinweise werden nie von KI erzeugt oder verändert. Diese Grenze ist im System fest verankert.
Wir haben schon ein PIM. Lohnt sich das trotzdem?
Oft ja. Viele PIM-Systeme sind für Handel gebaut und kennen keine regulatorischen Felder, keine Freigabeversionen und keine Terminologie. Dann geht es nicht um Ersatz, sondern um die Ergänzung genau dieser Spur.